Montag, 12. Dezember 2011

Colonia del Sacramento - Uruguay

Der Tag, an dem mein dreimonatiges Touristenvisa in Argentinien auslief (04.12.11) kam nun immer näher. Ich entschloss mich dazu, Argentinien zwecks Verlängerung des VISAS ma zu verlassen und wieder neu einzureisen. Uruguay war da die kürzeste Alternative. Aurora half mir freundlicherweise beim Kauf des Tickets für die Fähre. Dann hab ich noch fix das billigste Hostel mit Frühstück in Colonia del Sacramento gebucht, um mir die Nacht dort zu sichern.

Am Freitag nach Arbeit bin ich noch fix in die Sprachschule zur letzten Stunde geflitzt um mein Zertifikat abzufassen, dann fix nach heme, paar Klamotten gepackt. Auf dem Weg zur Bushaltestelle bin ich noch dreimal umgedreht weil mir immerwieder was anderes eingefallen is was i noch ni eingepackt hatte. Dann gings mit dem Bus nach Buenos Aires. Das Ticket hat zwar nur 10 Pesos gekostet, aber ich hab keinen Sitzplatz mehr für die 1,5 h Fahrt bekommen. Naja fand ich doof. In Buenos Aires angekommen hab ich mich mit Ingie getroffen. Die hab ich damals kennen gelernt als ich das erste Mal in Buenos Aires war. Kurzerhand bin ich in ihrem Hostel eingecheckt. Am nächsten Morgen hat sie mich noch bis zum Hafen begleitet und dann gings durch die Passkontrolle und rauf auf die Fähre von „Buquebus“. Die Überfahrt der ca 120 km über den Rio de La Plata dauerte 3 Stunden. 

Colonia del Sacramento hat eine Stunde Zeitverschiebung. Schon am Hafen hat mir die Idylle der Stadt gefallen. Klein, grün, Strand und viele historische Häuser im portugiesisch-italienisch-spanischen Stil. Mein Hostel war nur ca. 800 m vom Hafen entfernt. Nach dem Einchecken bin ich durch die Stadt gelaufen und war überrascht, wie klein das war. Kurzerhand hab ich noch ne kurze „Stadtrundfahrt“ mitgemacht. Am Besten fand ich die anschließende Führung durch den historischen Kern Colonias. Im Hostel zurück hab ich dann paar Leute getroffen, die zufälligerweise auch aus La Plata kamen und am Sonntag ebenfalls zurück fuhren. Damit war nun meine sichere Heimreise auch klar. 

 So stapelt man 4 Personen in Hostels in Buenos Aires um Platz zu sparen.
 Lange Schlange beim Einchecken am Hafen von Buenos Aires
 Abfahrt vom Puerto Madero
 Die Fähr Buquebus
 Hostel "El Viajero" in Colonia del Sacramento (nur 850 m vom Hafen entfernt und genauso weit bis zum historischen Zentrum)
 Colonias Straßen, groß, grün, leer... hier halten sogar die Auto an und lassen einen die Straße überqueeren
 5 km langer Sandstrand. Das Wasser ist nicht salzig und die ersten 300 Meter nur knietief. Es scheint zwar dreckig zu sein, ist aber beim näheren Hinsehen nur von Erdpartickeln so rötlich-braun gefärbt. Man sagt, wer mit einem weißen T-Shirt baden geht, kommt auch sauber wieder heraus (ich habs aber nicht ausgetestet)
 Abends im Hostel gabs lecker Assado auf der Dachterrasse und im Anschluss noch musikalische Unterhaltung. War voll schön und der Himmel sternenklar


 Eine der historischen Straßen mit originalen Häusern aus der Zeit, als die spanier, Italiener und Portugiesen ihren Einfluss geltend machten.


 Natürlich gibts überall Märkte, die Mate und Co verkaufen. Da Colonia auch das touristische Tor zu Uruguay ist, sind die Preise auch dementsprechend hoch
 
 Historischer Leuchtturm...
 ...und Colonia mit Hafen von Oben.

 Vom Obersten Teil des Leuchtturmes kann ma ganz einfach die 120 km nach Argentinien rüber gucken und wer ganz genau hinsieht erkennt sogar die Skylines von Buenos Aires und La Plata (die ja auch gute 60 km auseinander liegen)



 Auf der Rückfahrt nach Buenos Aires kamen wir in den Genuss dieses wunderschönen Sonnenunterganges
Und natürlich Buenos Aires bei Nacht... die Stadt, die niemals schläft

Schlussendlich habe ich mein zweites VISA ohne Probleme bekommen. Ich wurde lediglich bei der Einreise nach Argentinien gefragt ob ich Tourist bin... Klar doch!

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Thanksgiving

Am 27.11.11 haben wir das von uns schon lang erwartete Thanksgiving gefeiert. Das kam zustande, weil Riley (wohnt hier in nem anderen Apartment von Aurora) aus Oregon stammend, zu diesem traditionellen Festakt eingeladen hat. Da seine Familie nicht da sein konnte, hat er also Freunde eingeladen  und so kam unsere stattliche Gruppe von 11 jungen Leuten zusammen. Wir haben den Tag lediglich von Donnerstag auf Sonntag verschoben, da der Montag darauf hier für uns ein Feiertag war. Die Argentinier kennen den „dia de gracias“ nicht und feiern das dementsprechend auch nicht. Ums kurz zu machen, es gab jede Menge Leckereien. Den Turkey ham wir nach 3 Stunden aus dem Ofen geholt und er war echt gut gelungen. Es gab lecker Kartoffelbrei von der Kartoffel und der Süßkartoffel, typisch amerikanische gravy (Soße) und die Truthahnfüllung (keine Ahnung was da alles drinn war – aber war gut) gabs aus wetterbedingten Gründen in nem extra Topf. Der Nachtisch war dann apple pie, peach pie und lemon pie. Oh mann das war ja ma saulecker!!! 

Wir entschlossen uns kurzerhand, das Essen nach draußen zu verlegen, denn vor meiner Wohnung hab ich mega viel Platz (is halt n Parkplatz…). Riley hat uns während dem Essen noch a bissel was über die Tradition erzählt. Der Tag danach wird in Amerika auch „black friday“ genannt. Das kommt daher, dass die dann losstiefeln und sich Dinge kaufen, die sie nicht haben. Die Ammis halt …

Um ehrlich zu sein, wenn man mal von den zwei Tagen Vorbereitung für das Essen absieht, is das wirklich ne tolle Sache. Allerdings is das „schwere“ Essen zu dieser Zeit in der feuchten Hitze Argentiniens doch eher etwas fehl am Platz. 




Die Pies waren das Beste an dem Abend

Sonntag, 27. November 2011

Konzert von Pearl Jam

Das Konzert von Pearl Jam (Tour PJ 20) am 13.11.11 fand im Estadio Unico von La Plata statt, wo im März diesen Jahres auch schon U2 aufgetreten sind. Das Besondere daran ist, dass das Stadium von einer Konstruktion aus weißen Planen bestehend halb überdacht ist und der Rasen kann für Konzerte entfernt werden kann. Das war nun also mein erstes Konzert in einem Stadium.  Ich bin da gemeinsam mit ner Arbeitskollegin und zwei Freundinnen von ihr hingegangen. Beim Reihkommen war ich einfach nur baff, wie groß und eindrucksvoll das alles war. Leider kann ich nicht sagen, wie viele Menschen dort waren, aber die Tribünen waren voll besetzt und unten der „campo“, wo wir auch waren, auch gerammelte voll.
Vorband waren die nordamerikanischen Punkrocker “X” aus Los Angeles. Die ham echt super gut eingeheizt und ne saugute Stimmung verbreitet. Naja als dann zu deren letztem Song Eddie Vedder (Sänger von Pearl Jam) auf die Bühne kam, strömten die Massen (wie ma das von nem guten Konzert kennt) nach vorne zur Bühne. Insgesamt performten Pearl Jam 3 Stunden und Eddie hat sogar a bissel Spanisch geredet (wenn auch nur von nem Zettel abgelesen, aber immerhin). Mir hats sehr gut gefallen. 

 Estadio Unicos de La Plata von Außen ...
 ... und von Innen.



Sonntag, 6. November 2011

Es ist wieder einiges passiert

Letztes Wochenende war ich auch wieder kurz im Labor. Am Samstag gings dann zu ner großen Geburtstagsparty. Sonntag nach Arbeit wurde ich von Kollegen zum Grillen eingeladen. Allerdings heißt das hier „asado“. Zwischendurch vertrieben wir uns die Zeit mit Pantomime. Is auf argentinisch garni so leicht. Versucht mal „Midnight in Paris“ oder „300“ darzustellen ... aber wir hatten unseren Spaß. 
  
Öffentliche Grillplätze für das "Asado" gibt es hier viele. Einfach hingehen, bissel Holz anzünden, Rost drüber, Fleisch und Kartoffeln drauf, ne Stunde warten und fertig.
 Hmmm was meint sie wohl...?
 Leute, is doch ganz einfach...

Mit vollgeschlagenen Bäuchen sind wir dann noch ins nahe gelegene „Museum of Natural Sciences“ gegangen. Dort gabs vom Urknall über Dinosaurierskelette, das erste Mikroskop und zahlreiche ausgestopfte Tiere bis hin zu den Kulturen der Inka sehr viele tolle Dinge zu bestaunen. 




 Finde den Fehler in der Ausstattung der antiken Küche...

Diese Woche hab ich mich dazu entschieden, zum Konzert von Pearl Jam in zwei Wochen zu gehen. Ich bin echt gespannt, ob es mir gefallen wird, da ich die noch ni kenne. Ich dachte mir aber, wenn ich schonmal die Gelegenheit habe und einige aus dem Labor auch hingehen, kann ich die Chance auch nutzen. So habe ich also nach einigem Hin und Her eine der letzten 7 Karten ergattert.

Letzte Woche habe ich miterleben müssen, wie ein Autofahrer einen Mopedfahrer gnadenlos über den Haufen gefahren hat. Der hat au freundlicherweise klei angehalten und als er ausgestiegen ist, riss er die Hände in die Höhe und begann laut auf den gestürzten Mopedfahrer zu schimpfen. (Wie so nach dem Motto, "Was fällt dir ein, mir im Weg rumzufahren!") Als dieser wieder auf den Beinen stand, stieg der Fahrer in seinen Wagen ein und fuhr weiter… So sind sie halt, die Argentinier.
Mittlerweile sind auch Alejandra und Osvaldo von ihrer Reise nach Deutschland wieder zurück. Die ham sich ja ganzschön über das kalt-regnerische Wetter in good old Germany beklagt. Hier ist es schon ordentlich heiß geworden. Die Sonne scheint täglich und die Temperaturen erreichen fast 30 Grad.
Gestern (Samstag) kam ich spät von Arbeit heim und hatte noch einige Dinge mit Aurora zu klären. Dabei zeigte sie mir ihre Kollektion und Sammlung an Sachen und nach längerer Anprobe, schenkte sie mir schlussendlich 5 Oberteile und eine Hose. Fand ich ja ma mega nett von ihr. Is schon toll, wenn ma ein Shoppingcenter klei in der nächsten Tür hat und spezielle Konditionen bekommt.

Bis bald, eure Katl

Montag, 24. Oktober 2011

Kurze Zwischenmeldung

In letzter Zeit hatte ich im Labor gut zu tun. Einiges lief gut, anderes eher ni. Aus diesem Grund war es auch notwendig, dass ich am Wochenende für paar Stunden im Labor war. Manche Versuche kennen halt keine Sams- und Sonntage. 

Die Woche hatte auch einige interessante Aspekte, da auf draußen stehenden Autos, Fahrrädern und Tischen eine graue Staubschicht zu sehen war. Das is die Asche von dem chilenischen Vulkan „Puyehue-Cordón Caulle“, der immernoch munter vor sich hin spuckt. Die letzte Aktivität war am 17.10.11 aufgetreten. Daraufhin wurden erstmal in weiten Teilen die Flüge gestrichen (jedoch nur für den einen Tag). Wenn der Wind gut steht, kommt dann die ganze Asche zu uns rüber nach Argentinien und setzt sich hier ab. Das war letztes Wochenende gut spürbar. Als ich meine Wohnung verlassen habe, kam es mir so vor wie Nebel, nur dass alles trocken war in dem weißen Dunst. Fast schon a bissel unheimlich, da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, was das war.

Des Weiteren hat Argentinien gestern seine neue Regierung gewählt. Resultat war eine Wiederwahl der bereits bestehenden Führung. Ich meine, dass hier einige Dinge anders sind als bei uns in Europa is mir schon klar und wundert mich auch nichtmehr so sehr, aber dass aufgrund der Wahl am Samstagabend die Clubs und Pubs geschlossen sind oder Auflagen was die Alkoholausgabe angeht einhalten müssen war für mich neu. Damit will die Regierung sicher stellen, dass niemand am Sonntag betrunken oder mit nem Hangover seine Stimme abgibt. Bei Nichterscheinen wird ne geringe Geldbuße verhängt. Klingt ma wieder komisch, is aber so. 

Bis demnächst, eure Katl

Samstag, 15. Oktober 2011

Die Arbeit beginnt

Ich kann endlich mit Stolz und Freude berichten, dass es im Labor voran geht. Weil ich in den ersten drei Wochen im Prinzip ni wirklich viel gemacht hab/ machen konnte, da ich nur a bissel eigearbeitet wurde, habe ich diesen Wechsel schon sehr ungeduldig erwartet. Hauptsächlich arbeite ich jetz mit Pablo zusammen, mit dessen Hilfe wir einige klinische Isolate von Burkholderia spec. für mich raus suchen und die zuallererst per Konjugation oder Elektroporation mit GFP versehen. Die Isolate kommen  aus dem ausgehusteten Schleim von argentinischen Patienten, die an Keuchhuste oder Mucuviscidose in akuter oder chronischer Weise erkrankt sind. Wenn das dann geklappt hat, dass die Tierchen brav GFP produzieren, geht’s erst richtig los mit Biofilmwachstum und dessen nachfolgender Untersuchung von Aufbau und chemischer Zusammensetzung per Fluoreszenzmikroskop, CLSM (confocal-laser-scanning-microscop) und FTIR (fourier-transform-infrared-spectroscopy). Es wird also sehr spannend werden, sehr viel Neues sein und viel Zeit in Anspruch nehmen.
Da Pablo immer sehr viel zu tun hat und mich ni ständig „beaufsichtigen“ kann, lerne ich kleine Ding wie Miniprep, Biomasseproduktion im "column" oder die Konjugation mit Hilfe von Nati, Laura oder Claudia (die sind auch in der Arbeitsgruppe). Alejandra und Osvaldo, die „Köpfe“ der Gruppe, erklären mir hin und wieder generelle Grundlagen und komplexe Abläufe. Die kümmern sich echt mega lieb um mich und erklären auch viele Hintergründe zum Thema. Generell spreche ich hier nur noch mit einigen in Englisch, speziell wenns ums Erklären gewisser Abläufe zum ersten Mal geht. Da alle anderen aber wissen, dass ich Spanisch verstehe, wird da natürlich gnadenlos Spanisch gesprochen. Manchmal "confusing", aber dennoch die effektivste Lernmethode für mich. Wenn ich Medien oder Agarplatten brauche, muss ich Julio bescheid sagen und der spricht zum Beispiel nur Spanisch. Dann kommt es auch mal vor, dass ich die ersten Worte in Deutsch oder Englisch schon ni mehr auf Anhieb weiß. Die Folge davon ist dann "Spanglisch". Mir machts Spaß! Und natürlich kommt generelles Quatschen und Mate trinken im Laboralltag nicht zu kurz :-)
 Yerba Mate, Mate aus Holz, Bombilla und heißes Wasser in der Thermuskanne. Mehr benötigt man für einen guten Mate nicht. Jetzt wird nur noch die ideale Zubereitung perfektioniert.

Letzte Woche gab es auch solche Vorkommen, dass öfter mal das Wasser weg war. Nati meinte auch, dass es im Sommer passiert, dass sogar der Strom weg ist. Da es hier keine Notstromaggregate gibt, werden dann die  elektrischen Geräte ni mehr versorgt, was wiederum fatale Folgen beispielsweise für die kryokonservierten Proben bei -80°C hat. Wollen wir hoffen, dass ich das ni erleben muss. 

Das Wetter ist zur Zeit jeden Tag anders. Von strahlendem Sonnenschein über starken Wind bis Regen is alles dabei. Macht sich natürlich mit Fahrrad und Laptop im Rucksack immer besonders schön, vor allem da ma nix vorhersehen kann.
Darf ich vorstellen... mein Pedalenmerzedes. Läuft super, ist straßentauglich, klappert a bissel aber bringt mich schnell überall hin.

Heute war ich bei dem schönen Wetter im Zoo. Der is ja klei gegenüber vom CINDEFI. Ich hab das erste Mal in meinem Leben ein Hippopotamus live und in Farbe gesehen. Ich fand das sehr beeindruckend. Ansonsten ham die dort von diversen Affenarten über Raubkatzen, Vögel und frei rumflitzenden Wasserratten (voll knuffig) bis hin zu typisch argentinischen Tieren aus dem Hochland, vieles vertreten. Der eine Elefant, den se da hatten, tat mir a bissel leid. Trotzdem war das Alles für nur 5 Pesos (0,83 €) ne tolle Sache.


 Wer ni laufen will, dreht eben ne Runde mit dem Minizug durch den Zoo.
 Fast 30°C und son mega Pelz aufm Buckel. Da hätt ich auch keinen Bock mich viel zu bewegen.
 Auch ein idealer Platz zum Sonnenbaden für den kleinen Seehund.
 Hippopoptamus...
 ...in seinem Pool.

Ich werde mich natürlich bemühen, bald wieder von mir hören zu lassen. Eure Katl