Im Labor herrscht ein sehr schönes Klima, alle sind voll nett und es wird doch öfter über Gott und die Welt gequatscht, als gearbeitet. Die Arbeitszeit beginnt für mich angenehmerweise erst ab um 9 und endet zwischen 16 und 18 Uhr, je nach dem was grad ansteht. Jime, eine aus dem Labor, hat mir freundlicherweise ihr Fahrrad für die Zeit wo ich hier bin ausgeliehen. Jedoch musste ich schon am ersten Tag feststellen, dass sich hier niemand an die Verkahrsregeln hält und ma als Radfahrer nix zu melden hat. Dennoch habe ich inzwischen gelernt, mit der Situation umzugehen und fahre jeden Tag auf Arbeit.
Ich denke allen dürfte klar sein, dass der Laborstandard hier sichtlich unter dem von Europa und Deutschland liegt. Bestellungen dauern statt 2 Wochen schonmal 3 Monate, bis sie ankommen. Aber hier wird eben mehr improvisiert und mit viel Kreativität wird aus einem Holzschrank mit Glastüren, ein Brutschrank für die Kultivierung bei 37°C für Bordetella spec. gebastelt (inclusive standheitzer, Ventilator, Steckdosen, Luftanschluss und Thermometer).
Einfach genial und so simpel. Viele Geräte sind zwar alt, aber dennoch voll funktionstüchtig. Im Labor arbeiten mehr als 10 Leute, zwar nicht zur selben Zeit, aber es ist immer was los. Mein Thema wird die generelle Kultivierung und Analyse von Biofilmen sein. Dazu gibt es hier mehrere Methoden der Kultivierung und zur Analyse verschiedenste Mikroskope und Geräte, damit Aussehen und chemische Zusammensetzung genauestens untersucht werden können. Um a bissel in die Materie reizukommen, mache ich seit Beginn erstma überall mit, um mich einzuarbeiten und alles kennen zu lernen. Ich finds echt voll interessant und freu mich schon, wenn ich endlich allein loslegen kann.
Mittags werden Empanadas, Tartas oder Salate vom Stand um die Ecke geholt. Das is so genial, weil es fast nix kostet und mega lecker schmeckt. Da wird ma schonma kochfaul. Ich vermisse aber jetz schon das gute Schwarzbrot aus Deutschland. Nachdem ich hier auch jede "Panaderia" abgeklappert habe, bin ich davon überzeugt, dass es das hier NICHT gibt. Dafür gibts hier süße Leckereien noch und nöcher. Das beste Brot hier habe ich in Buenos Aires bei der Bäckerei "Hausbrot" gefunden. Da wir dieses WE nach Buenos Aires fahren, werde ich mir dort erstmal einen Vorrat am Brot kaufen. Da meine Wohnung keinen Toaster und keinen Wasserkocher hat, wird das Brot eben in der Pfanne getoastet und das Wasser für den morgentlichen Kaffe im Topf erwärmt. Ich musste schon lernen, dass das Wasser hier einen sehr hohen Kalk- und Chlorgehalt hat. Sobald es anfängt zu sprudeln, also heißer als 70°C wird, schmecken Kaffee und Tee voll bitter und verbrannt. Ich mach mir aber keine Platte das Wasser zu trinken wenn es noch ni abgekocht ist, das der hohe Gehalt an Chlor hier sein übriges tut und eh schon alles abgetötet hat.
An den Wochenden machen die Leute aus dem Labor immer was zusammen. Letztes WE waren wir in der "Republica de los ninos", eine Miniaturstadt. Da haben wir den Nachmittag verbracht mit essen, inlineskaten, die Sonne genießen, Mate trinken und quatschen. Am Sonntag waren wir zum Essen bei ner Arbeitskollegin eingeladen. War echt schön und mega lecker.
Meine Kollegen aus dem Labor. Alles angehende Postdocs.
Hauptstraße der "Republica de los ninos"
So, das wars erstma für heute. Ich lass bald wieder von mir hören. Bis dahin, eure Katl

